Gute Musik machen ist nur die halbe Miete

Effektive Pressearbeit für Musiker und Bands

 

Du bist Musiker, allein oder als Teil einer coolen Band unterwegs, und zu recht stolz auf dein tolles Repertoire mit starken Cover-Songs und sogar eigenen Stücken? Dann steht einem erfolgreichen Start in die Welt der Musik nichts mehr im Weg – außer natürlich der Frage, wie du effektiv die Menschen auf dich und deine „Mucke“ aufmerksam machen kannst.

 

Viele Auftritte zu absolvieren ist eine Möglichkeit, aber auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit kann dazu beitragen, dass du schneller bekannt und populär wirst, deine Musik mehr gehört und deine Konzerte besser besucht werden. Nun ist Öffentlichkeitsarbeit verständlicher Weise eine eher nervige Angelegenheit, wenn man lieber Musik und nur Musik machen will. Dabei tun sich heute für Künstler Werbemöglichkeiten auf, nach denen sich Newcomer vor 20, 30 oder 40 Jahren vermutlich die Finger geleckt hätten. Leider werden diese, egal ob von Newcomern oder „alten Hasen“, oft sinnlos vertan und Chancen, auf sich aufmerksam zu machen, leichtfertig vergeben.

 

Dabei sind Medienmacher, egal ob bei Tageszeitungen, Magazinen, TV- und Radiosendern oder auch Web-Publikationen oft sehr daran interessiert, Musiker in ihrem Werdegang zu unterstützen, sie mit Reportagen und Interviews zu promoten, ihre Konzerte anzukündigen oder über diese zu berichten. Schließlich helfen sie damit nicht nur den Musikern, sondern sorgen im Gegenzug auch dafür, ihre eigenen Medien bunter, unterhaltsamer und informativer zu gestalten. Eine klassische Win-Win-Situation. Wie genau sollte eine gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Musiker also aussehen, die den Künstlern die Werbung bringt, die sie brauchen und gleichzeitig den Medienvertretern die Informationen, die sie benötigen?

 

Dieser Beitrag kann letztlich nur ein paar Hinweise geben, die freilich auch mit einem stärkeren Fokus auf den Print- und Onlinemedien liegen, da der Autor überwiegend schreibt und fotografiert und eben darüber plaudert, was für ihn selbst wichtig ist und was er bei der Zusammenarbeit mit Musikern manchmal vermisst.

 

Also, los geht’s!

 

 

Ganz allgemein gilt die Regel: Je schneller und unkomplizierter Journalisten an eure Infos kommen, desto glücklicher sind sie. Hinter einer wichtigen Information her zu telefonieren oder nach ihr langwierig suchen zu müssen, ist frustrierend und führt nicht selten dazu, dass wichtige Dinge einfach unter den Tisch fallen oder, noch schlimmer, eine Veröffentlichung gar nicht erst erfolgt.

 

Dass ein Künstler heute eine Website und/oder eine Facebook-Seite haben sollte, um auf sich aufmerksam zu machen, versteht sich von selbst. Es ist die beste, schnellste und günstigste Möglichkeit, Medien, Fans, Veranstalter und viele andere mehr auf sich aufmerksam zu machen. Facebook hat sich zudem zur Ankündigung von Events inzwischen bestens etabliert. Nun aber vorauszusetzen, dass die Redakteure der konventionellen Medien täglich das Internet durchforsten, um eure zukünftigen Konzert- und Auftrittstermine dort zu finden und diese dann anzukündigen, ist ein Trugschluss, denn sie haben für so etwas meist keine Zeit. Wer die Ankündigung seiner Veranstaltung auch in den Printmedien oder gar im Radio oder Fernsehen wiederfinden möchte, muss diese Medien immer auch auf die „alte Hacke“ per E-Mail, Telefon, Fax oder vielleicht sogar durch einen Besuch in der Redaktion informieren. Und gegebenenfalls auch ein oder zweimal nachhaken, um sicherzugehen, dass nichts vergessen wurde. Event-Termine auf Facebook veröffentlichen und auf die Recherchewut aller Medienschaffenden hoffen, reicht in aller Regel nicht aus!

 

Wir sind fünf lustige Typen...

 

Eine Band-Website oder einen Blog mit coolem Layout zu besitzen, ist eine tolle Sache und macht jeden, der auf Informationen aus ist, froh. Graue Wolken ziehen dagegen auf, wenn die Band-Bio angeklickt wird und sich - ein wenig überspitzt formuliert - ungefähr folgendermaßen ließt: „Wir sind fünf lustige Typen, die seit drei Jahren Musik machen. Seitdem sehen wir gut aus und bringen jeden Saal mit Musikalität, unbändiger Energie und funkensprühender Lebensfreude zum kochen. Unser Publikum hält es nach wenigen Minuten vor lauter Ekstase nicht mehr auf den Plätzen … usw. usw.“ Phrasen und überschwängliche Formulierungen, wie toll ihr seid, bringen niemandem einen Erkenntnisgewinn. Interessant ist es dagegen zum Beispiel, wo ihr herkommt, wo und in welchem Genre eure Musik einzuordnen ist, wer eure Vorbilder sind, ob ihr eigene Songs komponiert und was euch dabei wichtig ist, wo ihr schon überall aufgetreten seid, ob es bereits EP's oder Alben von euch gibt oder ob welche geplant sind, wie die heißen und worum es darin geht. Und, ganz wichtig: Die Leute möchten wissen, wer ihr seid! Die Bandbesetzung mit dem Namen jedes Musikers (Vorname, Nachname und Instrument) sollte eine Selbstverständlichkeit auf jeder Web- oder Facebook-Seite sein und ist Bestandteil vieler Event-Ankündigungen oder von Konzertberichten. Leider finden sich auf vielen Band-Seiten entweder gar keine Angaben zur Besetzung, nur die Vornamen oder auch Infos, die sich wie folgt lesen: „Wir sind Knödel (Gesang), WahWah (Gitarre), Drummer-Boy (Schlagzeug) und Onkel Hotte (Keyboard)!“ Worin im einzelnen die Gründe liegen könnten, seine richtigen Namen nicht auf der Band-Seite zu veröffentlichen und stattdessen neckische Kosenamen zu verwenden, wissen nur diejenigen, die es machen – beliebt bei den Musikern ist ein solches Vorgehen leider trotzdem. Spitznamen sollten höchstens als Zusatz zum richtigen Namen genannt werden, der IMMER aus Vor- UND Zuname besteht. Denn, mal ehrlich: hört es sich nicht irgendwie seltsam und wenig kompetent an, wenn in einem Konzertbericht steht, dass der namenlose Typ im Kurt-Cobain-Shirt ein geiles Gitarren-Riff hingelegt und Uschi toll gesungen hat? Grundsätzlich ist es wichtig, dass Presseinformationen vor allem Fakten enthalten, die für einen interessanten Bericht, egal für welches Medium, gut verwertet werden können.

 

Da bei einem Presse-Beitrag ohnehin in der Regel alles noch einmal umgeschrieben wird, ist es nicht erforderlich, einen voll ausformulierten Pressetext zu erstellen. Schließlich wollt ihr ja nicht für literarisch hochwertige Pressetexte, sondern für die Lyrics eurer Songs gefeiert werden und die Preise absahnen. Vielmehr ist eine Presseinfo umso besser, je mehr sachliche und interessante Infos über die Band darin untergebracht sind, die von denen, die sie brauchen, gut verwertet werden können. Eure Presseinfos sollten wie ein gut bestückter Supermarkt sein, in dem sich Medienvertreter bedienen können, um aus den Zutaten ihr eigenes, schmackhaftes Süppchen zu kochen. 

 

 

Im Idealfall sollten als Pressematerial auf einer Bandseite nicht nur informative Texte, sondern auch andere Materialien wie zum Beispiel Pressefotos (in druckfähiger Auflösung) leicht zugänglich für die Medien zur Verfügung gestellt werden. Schließlich ist es nervig und zeitaufwendig, wenn solches Material erst einmal mühsam irgendwo angefordert werden muss. Sinnvoll ist es, für Presseveröffentlichungen Promofotos von der Band oder vom Musiker herzustellen, die über einen längeren Zeitraum dauerhaft und quasi zur Selbstbedienung für die Medien auf eurer Seite angeboten werden. Dazu müsst ihr nicht unbedingt zum teuren Profi-Fotografen gehen – man kann solche Fotos auch in einer coolen Location wie zum Beispiel einem Fabrik-Gebäude, einem Schrottplatz, im Probenraum oder einer völlig anderen Örtlichkeit, die vielleicht noch viel abgefahrener ist, leicht selbst herstellen. Eurer Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist allerdings unbedingt eine brauchbare Auflösung im jpg-Format, damit die Aufnahmen problemlos und ohne „Pixelinferno“ veröffentlicht werden können. Ganz wichtig: Der Urheber (also der Fotograf, nicht der Rechteinhaber, was ja unter Umständen zwei verschiedene Dinge sind) muss zu jedem Foto genannt werden, ansonsten ist eine Veröffentlichung aus rechtlichen Gründen in den allermeisten Fällen nicht möglich.

 

Videos, kurze Konzertmitschnitte, Trailer, Sounddateien, von euch eingespielte Songs oder was auch immer ihr diesbezüglich noch auf Halde habt (oder entsprechende Links zu anderen Plattformen wie zum Beispiel Youtube, wo ihr eurer Material veröffentlicht habt) solltet ihr, wenn vorhanden, ebenfalls zur Verfügung stellen. Betreiber eines Blogs oder einer Website, die über euch berichten wollen, binden gern neben Fotos auch mal ein Video oder einen Live-Mitschnitt in ihre Berichte ein und lockern die Beiträge damit auf.

 

Oft gibt es Ereignisse in einem Musikerleben, die berichtenswert sind und zum Beispiel eine größere Reportage oder ein ausführliches Interview mit euch sinnvoll erscheinen lassen. Wenn ein neues Album in der Mache ist, freuen sich die Medienvertreter, wenn sie zum Beispiel ins Studio für eine Reportage eingeladen werden, um den Herstellungsprozess des Albums zu dokumentieren und dort den einen oder anderen Appetithappen zu den neuen Songs zu erhalten. Eine Release-Party oder eine Album-Präsentation könnte ebenfalls einen Bericht oder ein Interview wert sein, also auch hier sollten Medienvertreter informiert und eingeladen werden. Vielleicht fällt euch aber auch eine ganz andere Veranstaltung oder ein Event ein, mit dem ihr in die Schlagzeilen kommen könntet. Je mehr Aktionen ihr rund um eure Band, euer neues Album, euren Album-Teaser, euer selbst gedrehtes Video auf Youtube oder eure Gigs auf die Beine stellt, desto mehr gibt's zu berichten. Trommeln gehört eben zum Geschäft! 

 

Wenn ihr eure frisch gepresste EP oder euer Album in Händen haltet, seid ihr im Besitz eines wertvollen Produktes, das es zu bewerben gilt. Vergesst deshalb nicht, Tageszeitungen, Zeitschriften, (Fach-) Magazine, Radio- und Fernsehsender sowie bestimmte Blogs und Web-Publikationen, bei denen ihr das Gefühl habt, dass eure Musik ins Portfolio passt, mit Rezensions-Exemplaren zu bestücken! Das Argument „Ach, die veröffentlichen doch sowieso nichts!“ zählt nicht, denn wenn die Medien nicht wissen, dass es euch gibt, habt ihr garantiert keine Chance, irgendwo stattzufinden! Wer von dem, was er macht, hundertprozentig überzeugt ist, der ist sich auch sicher, damit überall auf offene Ohren zu stoßen und Erfolg zu haben. Der vielleicht etwas abgedroschene Spruch „Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ hat auch hier seine Gültigkeit. Wichtig ist allerdings, nicht nur die großen, sondern auch kleinere und dafür oft umso engagiertere Medien nicht zu vergessen oder durch Recherche neu zu entdecken. In Lokalzeitungen, regionalen Fernseh- und Radiosendern oder kleineren, aber oft trotzdem professionell gemachten Blogs sind die Chancen, als Musiker auf sich aufmerksam zu machen, deutlich größer als bei den großen „Platzhirschen“, die oft jeden Tag mit Rezi-Exemplaren zugeballert werden.

 

Die hier aufgeführten Tipps erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber ihr solltet die unendlichen Chancen, die es euch ermöglichen, für euch, eure eigene Musik und eure Leidenschaft zu werben, nicht ungenutzt verstreichen lassen.

 

Von Björn Othlinghaus (www.worteffekte.de)